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Gewaltspiele ärgern Eltern mehr als Alkohol und Pornos

Freitag, 15. August 2008 / 21:07 Uhr

San Francisco - Eltern haben mehr Angst davor, dass ihre Kinder mit Gewaltinhalten in Computer- und Videospielen in Berührung kommen als mit Alkohol oder pornografischem Material.

Eltern haben Angst, dass ihre Kinder mit Gewaltinhalten in Computer- und Videospielen in Berührung kommen.

Zu diesem verblüffenden Ergebnis kommen zwei aktuelle Untersuchungen der speziell auf Eltern ausgerichteten US-Videospielplattform What They Play. Demnach gab im Rahmen einer Online-Umfrage zwar rund die Hälfte der insgesamt 1650 befragten Eltern an, dass sie am meisten davor Angst hätten, dass ihr Sprössling anfange Marihuana zu rauchen.

An zweiter Stelle der grössten Gefahren für Kinder wurden aber von 19 Prozent der Eltern bereits vermeintliche Gewaltspiele genannt. Erst danach folgt das Trinken von alkoholhältigen Getränken wie Bier und das Betrachten von pornografischen Inhalten, das von 16 beziehungsweise 14 Prozent der Eltern als Bedrohung für die eigenen Kinder wahrgenommen wird.

Seltsame Ergebnisse

In einer zweiten Untersuchung wurden rund 1266 Eltern dazu befragt, welche Art der Inhalte in Computer- und Videospielen sie am geschmacklosesten finden würden. Von den vier zur Verfügung stehenden Auswahlmöglichkeiten votierten dabei 37 Prozent für Darstellungen, die Männer und Frauen beim Geschlechtsakt zeigen.

Etwas mehr als ein Viertel der Befragten gaben an, dass sie sich vom Bild zweier sich küssender Männer am stärksten abgestossen fühlen. Rund 25 Prozent wählten hingegen einen abgetrennten Kopf einer Spielfigur zum scheusslichsten Inhalt. An letzter Stelle der Reihung findet sich mit neun Prozent die häufige Verwendung von Flüchen und vulgärer Sprache.

«Obwohl diese Untersuchungsergebnisse auf den ersten Blick etwas seltsam wirken, geben sie doch einen guten Einblick darin, welche Ängste und Befürchtungen Eltern in Hinblick auf die Nutzung von Computer- und Videospielen durch ihre Kinder haben», erklärt Cheryl Olson, Mitbegründerin des Harvard Medical Center for Mental Health and Media und Co-Autorin des Anfang Mai erschienenen Buchs «Grand Theft Childhood» gegenüber der Los Angeles Times.

Die vorgelegten Erhebungsergebnisse hätten zwar nicht unbedingt wissenschaftlichen Anspruch, seien aber besonders deshalb interessant, weil sie die Bedenken der Elternseite sehr gut zusammenfassen würden.

Eltern kennen sich nicht aus

Dass Videospielinhalte von Eltern als bedenklicher eingestuft werden als Alkohol- und Pornografiekonsum, sei ein äusserst bemerkenswertes Ergebnis. «Die grosse Mehrheit der Eltern hat mit Videospielen nicht viel zu tun und kennt sich bei den Gefahren, die darin für ihre Kinder lauern, nicht aus. Gleichzeitig wissen die meisten Eltern aber ganz genau um die Gefahr von Alkoholkonsum Bescheid. Letztendlich sind sie so weniger über den Teufel beunruhigt, den sie bereits kennen als über den, der ihnen noch eher fremd ist», fasst Olson zusammen.

Das heisse aber nicht, dass sich diese Eltern deshalb eher damit abfinden könnten, wenn ihr Sprössling mit dem Trinken von Alkohol anfangen würde, stellt Olson klar.

(smw/pte)